Hangrutsch Purkersdorf, Baustopp, Bauskandal

Bauskandal Hangrutschung & Gleissenkung 

Dreifacher Bauskandal um Hangrutschung und Gleissenkung –
LIB fordert Untersuchung und Baustopp

 

Die Fakten

Am Donnerstag, den 16.5. 19 kam es ab dem Vormittag in Purkersdorf  zu Senkungen der Bahngeleise an einer Stelle in der Höhe der Mindersiedlung um etwa 5 cm. Gleichzeitig kam es zu einer Hangrutschung im Bereich Tullnerbachstraße 92, wo umfangreiche Erdabgrabungen an einer Baustelle am Fuße des Bahndammes erfolgt waren. Dort wird auf relativ engem Raum unter weitestgehender Ausnutzung aller Möglichkeiten ein Bau errichtet, der 7 Wohnungen und ein Büro umfassen soll.

 

Die Folgen sind noch immer nicht voll absehbar: wie es nach der Sperre der Strecke und dann dem eingleisigen Zugsverkehr und vielen Verspätungen weitergeht, hängt von weiteren Messungen ab. Jedenfalls sind Millionenschäden entstanden. Bei Anrainern sind auch Schäden an Gebäuden aufgetreten. Zwar wird etwa von der Baufirma der Zusammenhang der Rutschung mit den Erdarbeiten in Frage gestellt. Wesentlich für die Hangrutschung waren sicher auch die langen Regenfälle. Den konkreten Zusammenhang werden letztlich Versicherungen klären. Allerdings gibt es starke Indizien für den Standpunkt der ÖBB, dass nämlich die umfangreichen Erdarbeiten jedenfalls eine Ursache waren.

Foto: Kurier

 

 

Tatsächlich kann hier von einem 3-fachen Bauskandal gesprochen werden:

 

  1. Erstens hätte für diesen Grund nicht die bestehende Bebauung vorgeschlagen bzw. verordnet werden sollen. Nach den Raumordnungsvorschriften ist eine Gemeinde zwar ziemlich autonom bezüglich Flächenwidmungs- und Bebauungsplan, doch nasse Flächen dürfen nur unter sehr limitierten Bedingungen massiv bebaut werden. In diesem Sinn stellt sich die Frage, warum das Grundstück mit der aktuell rechtlich Bebauungsweise mit massiver Bebauungsmöglichkeit ausgewiesen wurde. Eine wesentliche Verantwortung hiefür dürfte wahrscheinlich das Planungsbüro für die Raumordnung treffen. - Es ist auch entsprechend Aussagen von Geologen bei der derzeitigen Lage  praktisch ausgeschlossen, dass der eingereichte Bau so jemals verwirklich werden wird

 

  1. Nachweislich haben Anrainer noch im heurigen Jahr die Gemeinde (eingelangt am 14.2.19) darauf aufmerksam gemacht, dass am jetzigen Bauplatz immer Hangwasser bzw. Quellwässer anzutreffen waren, ja dass dieses Grundstück eine Quelle umfasst.  Ob dieses Eingabe von der Gemeinde oder vom Land bearbeitet wurde, wird noch zu klären sein.Unglaublicherweise wurde jedenfalls vor noch nicht langer Zeit eine dort seit langem bestehende Brunnstube demoliert und quasi zugeschüttet (Aus dieser Quelle wurden in früheren Jahrzehnten mehrere Haushalte versorgt).

 

  1. Weiters es gibt es glaubhafte Hinweise, dass der Aushub – abgesehen von den starken Regenfällen – begonnen bzw. fortgesetzt wurde, ohne dass entsprechend der Vorschriften bei Bauten an Bahnhängen Kontrollmessungen durchgeführt bzw. abgewartet  wurden. In diesem Sinn spricht vieles für schwer fahrlässiges Verhalten, wobei zu klären ist, wer dafür die Verantwortung trägt. Angeblich wollte die Baufirma ohnehin nicht weitermachen, nahm aber die Aushubarbeiten dann doch wieder auf.

Es gab übrigens vor einiger Zeit bei einem Bau in der Nähe schon ähnliche Probleme.

 

Es ist nicht auszudenken, was Passagieren und Anrainern passieren hätte können, wenn durch diese Versäumnisse und Fehler in der dortigen Bahnkurve ein Zug entgleist und abgestürzt wäre. Nun sollte Schluss mit Lustig sein:

Die Liste Baum ersucht den Bürgermeister unmittelbar eine Kommission einzusetzen, die die Verantwortlichkeiten für diesen dreifachen Bauskandal klärt und Konsequenzen daraus vorschlägt.

 

Dazu weiters Bina Aicher, Liste Baum: „Dieser Vorfall zeigt einmal mehr wie dringend Purkersdorf einen Baustopp und eine Nachdenkphase benötigt um den Bebauungsplan zu überarbeiten und Problem- und Gefahrenzonen upzudaten. Dabei sind auch Rückwidmungen möglich, ohne dass die Gemeinde Kompensationen zahlen muss.

Nicht nur das Ortsbild leidet immer mehr unter der Verbauung. In diesem Fall jetzt waren auch die PendlerInnen betroffen, da diese auf einen Schienenersatzverkehr angewiesen sind. Insgesamt kann man nur froh sein, dass hier nicht mehr passiert ist, und niemand  direkt zu Schaden kam“

  • Am Samstag zitierte übrigens der Kurier die  Liste Baum  zur Frage Hangrutschung und Gleissenkung:

„In Purkersdorf (Bezirk St. Pölten) wird unterdessen spekuliert, was der Auslöser für den Hangrutsch bei den Bauarbeiten war, der zu den Gleisverwerfungen am Donnerstag geführt hat. Bei der „Liste Baum“ heißt es, dass ohne Erlaubnis mit dem Aushub begonnen wurde. In einer ersten Stellungnahme meinte Bürgermeister Stefan Steinbichler (SPÖ), dass alle Pläne abgenommen wurden. „Es ist mir nicht bekannt, dass nicht ordnungsgemäß begonnen wurde“, meinte er.

Allerdings bestätigte Karl Leitner von den ÖBB, dass „nach örtlicher Prüfung wurde festgestellt, dass die Ursache für die Gleissenkung ein Bauvorhaben unmittelbar neben dem Bahndamm ist. Die Bautätigkeiten fanden im Gefährdungsbereich der Bahn statt, wofür nicht alle erforderlichen Vereinbarungen vorhanden waren.“ Bina Aicher von der „Liste Baum“ sieht sich in ihrer Forderung nach einem Baustopp bestätigt.

Bis zur weiteren Prüfung und Klärung der Situation kommenden Montag, bleibt laut Leitner von den ÖBB die eingleisige Sperre zwischen den Stationen Unter Purkersdorf und Tullnerbach-Pressbaum, sowie die Langsamfahrstelle aufrecht“.

Der ganze Artikel:

https://kurier.at/chronik/oesterreich/basistunnel-umweltalarm-durch-wasser-aus-dem-berg/400498219

Bauskandal Hangrutschung Tullnerbachstrasse

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