Bahnhof Unterpurkersdorf:

Droht folgenschwere Fehlentscheidung der Gemeinde?

Der Plan der ÖBB

 

Nach 15 Jahren Diskussion wird es nun ernst: Die vorliegende Planung für den Umbau des Bahnhofs Unterpurkersdorf sieht vor, dass

 

  • 2 schnelle Durchfahrtsgleise auf der Wintergassenseite bleiben,

  • 2 bestehende Gleise direkt neben dem derzeitigen Bahnhofsgebäude frei werden (und für eine Bebauung offenstehen),

  • das Bahnhofsgebäude abgerissen wird (Gründe dafür wurden nicht genannt)

  • 2 Gleise etwa in der Mitte zwischen Bahnhofstraße und Wintergasse für den Regionalverkehr errichtet werden,

  • eine Verlegung der Bahnüberquerung und der Bahnsteige Richtung Osten (Richtung Purkersdorf Sanatorium) um 80 Meter kommt.

Dort ist ein (billigerer) „Inselbahnsteig“ vorgesehen (wie in Hadersdorf). Neben dem „Einstieg“ in der Wintergasse soll es zwei Treppen mit Aufzügen geben. Dadurch gibt es auch Barrierefreiheit.

 

 

Die Holzverladung bleibt

 

2020 sollen die Vorarbeiten beginnen,  die Bauzeit ist für 2021 bis 2022 geplant.

Steg Unterpurkersdorf, Liste Baum &Grüne, Purkersdorf,

Der Bahnübergang soll 80 m Richtung Wien verlegt werden
und es soll Aufzüge geben

 

 

Folgenschwerer Planungsfehler?

 

In der Wintergasse sind leider schon viele folgenschwere Planungsfehler in den letzten Jahrzehnten gemacht worden: Ohne Verkehrskonzept: Kindergarten, Industriegebiet, Holzverladung…

Eine teilweise Behebung dieser Fehler ist im Sinne einer maximalen Attraktivierung der Anbindung an den öffentlichen Verkehr, der Radfahrer- und Fußgängerfreundlichkeit  und des dadurch möglichen Umstiegs vom Auto auf die Bahn. Aber die Verlegung der Station Unterpurkersdorf weg von der Mehrheit der Fahrgäste in der Wintergasse ist nicht in diesem Sinn, weil hier jeder Meter zählt. Und da ist die Aussage des Bürgermeisters, er würde persönlich die 80 m in Kauf nehmen, nicht von Bedeutung.

Begründet ist die Verlegung damit, dass zur (wichtigen) Taktverdichtung ein Umkehrgleis notwendig ist. Doch wir brachten nach Konsultierung eines anerkannten Verkehrsexperten vor, dass mit einem dritten Regionalgleis die Verschiebung des Bahnsteiges nach Wien vermeidbar wäre. Das käme sogar billiger, weil weniger Weichen benötigt würden. Dazu hieß es, dass dies zwar möglich sei, aber dadurch weniger an Immobilienfläche verfügbar wäre. Geht es also auch hier wieder um Interessen der Immobilienlobby?

 

Wenn die Planung angeblich so gut ist, warum hat man von Seiten der ÖBB, aber auch des Bürgermeisters Angst, diese unabhängigen Experten vorzulegen, wie es unser Vorschlag war?

Vor Multiorgan-Versagen der Gemeinde bei 52 Millionen-Projekt?

 

Für die ÖBB Infra ist ihre Planung die einzig mögliche und beste. Und leider sagte der Bürgermeister bei der letzten Besprechung sehr vorschnell, dass er das einfach so akzeptiere. Wahrscheinlich ist es auch so, dass diese Planung in ihrer Art technisch  gut ist. Allerdings - und das ist der Punkt – mit dem einzigen Kriterium der Optimierung aus verkehrstechnischer Sicht (wie es eben Aufgabe der ÖBB-Infra ist). Herr Kroupa, der Gesprächsführer der Infra bestritt dies auch nicht.  Die vielfältigen Interessen von Purkersdorf finden sich darin leider aber nicht. Diese Interessen zu vertreten wäre Aufgabe der GemeindevertreterInnen gewesen. Diese forderten allerdings nicht einmal die schriftlichen Unterlagen ein, aus denen ableitbar wäre, warum gerade diese Planvariante gewählt worden ist.

 

Es handelt sich dabei um kein Pipifax-Projekt. Es geht um 52 Millionen Steuergeld! Dann kann man als BürgerIn erwarten, dass Planungsunterlagen transparent sind, und dass die Umgestaltung gesamtheitlich im Sinne und zum Wohle der Purkersdorferinnen und Purkersdorfer optimiert wird.

Bald Geschichte, aber leider ohne nachprüfbare Unterlagen - mit kaum korrigierbaren geschichtlichen Fehlern

 

Gesamt- statt Einzelplanung ist notwendig

 

Die Gemeinde hätte schon vor Jahren, aber auch jetzt mit eigenen Expertisen zur Lösung der Frage der Holzverladung, der effektiven Anbindung Bus-Bahn, zur Baulandentwicklung und der Lage des Bahnsteiges vorbereitet in diese wichtige und entscheidende Besprechung gehen müssen. Dagegen wurde die ÖBB offenbar jahrelang vom damaligen Bürgermeister mit dem Drang nach Immobilien genervt, und es ging jahrelang nichts weiter.

 

Für den Umbau des Bahnhof Unterpurkersdorf sollten 5 Ziele gleichzeitig und zusammen verfolgt werden

 

  • maximale Attraktivität für Bahnnutzerinnen

  • Verkehrstechnik

  • Gütertransport mit Holz auf der Bahn (Überprüfung von Alternativen zum Standort Purkersdorf)

  • schnelle Anbindung Bus-Bahn in Unterpurkersdorf (vor allem aus dem Raum Gablitz, zur Entlastung der Linzerstraße)

  • Baulandentwicklung (auf den freiwerdenden Flächen) am jetzigen Areal Unterpurkersdorf – mit optimalen Übergang zur Wintergasse

 

Die Liste Baum hat die  vorliegende Pläne Eisenbahnexperten zur Beurteilung vorgelegt, und diese haben unsere Vorbehalte bestätigt.

 

Problem Verkehr in der engen Wintergasse:
Alternativen wurden nicht geprüft

 

Bahnhof Unterpurkersdorf: historische Fehlentscheidung noch zu vermeiden?

Wenn die Bürgermeisterpartei und andere  Fraktionen nun diesen Plan tatsächlich so zur Kenntnis nehmen und den entsprechenden Vertrag im September-Gemeinderat am 24.9.19 absegnen sollten, dann haben sie jedenfalls HISTORISCHE VERANTWORTUNG für

 

  • die Nichtlösung der Probleme durch die Holzverladestation in der Wintergasse

  • die Nichtlösung der anderen Verkehrsprobleme der immer dichter bebauten Wintergasse

  • die Überlassung der Initiative der Immobilienentwicklung auf den freiwerdenden Gründen auf dem ÖBB-Areal in Unterpurkersdorf an die ÖBB, und damit für

  • die Fortsetzung und  Fortschreibung der Planungsfehler aus früheren Jahrzehnten in der Wintergasse

Unterpurkersdorf, Liste Baum & Grüne, Purkersdorf, Betongold

Bahnhof Unterpurkersdorf

Chancen für Gesamtplanung für Wintergasse für lange Zeit verspielt

Seit über 15 Jahren ist darüber viel gesprochen, viel versprochen und viel geplant worden. Und am Ende stand im letzten Gemeinderat eine Kapitulation einer überforderten oder durch den Glanz von zukünftigem Betongold geblendeten Gemeindeführung. Die Gesamtinteressen von Purkersdorf wurden dabei hintangestellt.

 

Was wird zunächst in drei Jahren um den Bahnhof Unterpurkersdorf praktisch anders sein als heute? Die meisten Menschen aus der Wintergasse werden einen um 80 Meter längeren Weg zur Station haben. Leute aus der Bahnhofstraße und Wienzeile werden, statt wie jetzt ebenerdig einsteigen können, auf einer langen Treppe aufwärts und dann auf einer langen Treppe wieder abwärts zu einem Inselbahnsteig gehen oder mit Aufzügen fahren.

Und in zehn Jahren wird entlang der Bahnhofstraßenseite statt der bisherigen Gleise, vorausgesetzt es gibt entsprechende Widmungsbeschlüsse der Gemeinde, ein neuer Stadtteil entstehen.

 

Betongold statt Gesamtplanung?

 

Die nun beschlossene Planung beinhaltet leider nur eine einzige Optimierung: nämlich jene aus verkehrstechnischer Sicht bzw. minimaler Umbaukosten, wie dies auch vom Gesprächsführer der ÖBB-Infra bestätigt wurde. Und es sollen möglichst viele Flächen für Immobilien (Betongold winkt!) geschaffen werden. Die vielfältigen Interessen von Purkersdorf finden sich darin leider kaum. Eine Kosten-NUTZEN-Rechnung hätte sicher andere Ergebnisse erbracht.

Probleme der Wintergasse bleiben nun auf Jahrzehnte weiter bestehen

 

Die Unterzeichnung des Vertrags zu Unterpurkersdorf mit der ÖBB ist tatsächlich der Verzicht auf eine Gesamtplanung und der Verzicht auf die Lösung von Problemen, die sich in der Wintergasse durch kurzsichtige Maßnahmen und Fehlplanungen der letzten Jahrzehnte angesammelt haben.

 

Offen und ungelöst bleiben nun auf Dauer

 

  • die Probleme durch die Holzverladung – die Möglichkeit eines anderen Standorts dafür wurde nicht einmal ernsthaft geprüft;

  • die Verkehrsprobleme durch das Industriegebiet;

  • ein gute zukünftige Anbindung Bus-Bahn auf der Seite der Bahnhofstraße (der Inselbahnsteig erschwert das zusätzlich);

  • eine gute Verbindung zwischen Wintergasse und Bahnhofstraße (Wienzeile) – eine solche wäre umso wichtiger, wenn nun entlang der Bahnhofstraßenseite ein neuer Stadtteil entstehen würde;

  • der beschlossene Übergang sieht nun nicht einmal die Möglichkeit einer Nutzung auch für RadfahrerInnen vor – was durch eine Rampe leicht möglich wäre (siehe bei Billa Hadersdorf). Immerhin will die Gemeinde nun nach unserer Kritik im Nachhinein doch noch darum „bitten“;

  • die Verlegung der Station Unterpurkersdorf weg von der Mehrheit der Fahrgäste in der Wintergasse ist nicht im Sinne der Attraktivierung des öffentlichen Verkehrs, weil hier jeder Meter zählt.

Amtsblatt 2016: die Eröffnung des sogenannten Park&Ride Parkplatzes mit 80 Parkplätzen in der Wintergasse durch die jetzige Landeshauptfrau. Bald darauf wurde aber die Stiege zur Bahn gesperrt - und blieb es bis heute.

Auch der jetzige Vertrag mit der ÖBB bringt keine Lösung von Problemen, die sich in der Wintergasse durch kurzsichtige Maßnahmen in den letzten Jahrzehnten angesammelt haben.

Ob und wieviele Autos von Bahnpendlern am „Park&Ride“-Parkplatz jemals geparkt haben, wäre eine interessante Frage für Lokalhistoriker oder den Typenkongress. Immerhin können dort derzeit über eine Fahrschule zukünftige Pendler schon das Einparken sehr großzügig üben.

Darf man sich bei einem Projekt von 52 Millionen Steuergeld (so viel kostet der Eisenbahnumbau) als BürgerIn und SteuerzahlerIn eine GESAMT-Planung und die Einbeziehung von Experten auch jenseits der ÖBB-Technik erwarten?

 

Die Konsultierung von mehreren Experten durch die Liste Baum ergab, dass ein drittes Regionalgleis die Funktion eines Umkehrgleises haben könnte, wodurch eine Verschiebung des Bahnsteiges um 80 m nach Wien vermieden werden könnte und diese Variante durch weniger Weichen sogar billiger käme. Die negativen Folgen der nun gewählten “Inselbahnsteig“-Lösung wäre dadurch vermeidbar. ABER: Für alle jene, die im Immobilienbereich tätig sind und damit ihr großes Geld verdienen, bliebe weniger verwertbare Immobilienfläche übrig, so sagte es auch in aller Klarheit der Verhandlungsführer der ÖBB.

 

Leider lehnten SPÖ und ÖVP die gemeinsame Konsultierung von Experten hinsichtlich einer Gesamtplanung ab. Vizebürgermeister Weinzinger nahm dem diesbezüglichen Antrag von GR Baum durch eine plötzliche Erfindung den Wind aus den Segeln, indem er meinte, dass eine solche Besprechung mit Experten einige Wochen vor der Gemeinderatsitzung stattgefunden hätte.

 

Während die Spitzen der Bürgermeisterpartei und der VP in dieser Sache fest zusammenhalten, soll fairerweise angemerkt werden, dass sich sieben Mandatare der SP bei den LIB-Anträgen zu Unterpurkersdorf zumindest der Stimme enthalten haben.

 

Aufhorchen ließ Baustadtrat und Vizebürgermeister Weinzinger beim LIB-Antrag zur Einbeziehung der Gemeinde bei der laut Vertrag vorgesehenen „Durchführung einer Untersuchung über eine Immobilienentwicklung im Bereich des Bahnhofs Unterpurkersdorf (100.000 €)“. Er meinte, dass diese schon fertig sei. Auf Nachfrage sagte er, dass er sie jedoch nicht kenne. Wir fordern im Namen der Bürgerinnen und Bürger von Purkersdorf Transparenz und Aufklärung. Es kann nicht sein, dass ein gesamtes neues Areal in Purkersdorf entstehen soll und die Purkersdorferinnen und Purkersdorfer als Letzte davon erfahren.

 

Die Rahmenbedingungen für die Neugestaltung um den Bahnhof Unterpurkersdorf sind jetzt insgesamt viel schwieriger geworden. Und es gibt Parteien, die dafür die Verantwortung tragen, dass einmalige Chancen nicht genutzt werden. Wir werden daher umso genauer hinsehen, wer hier nun von der Immobilienentwicklung profitieren wird.

 

Zum Abschluss das Positive.

Der Gemeinde Wien ist es zu verdanken, dass sie sich richtigerweise statt auf eine U-Bahn bis Purkersdorf auf mehr Züge konzentriert hatte. So konnten bereits Taktverbesserungen erreicht werden und an weiteren wird noch gearbeitet. Weiters ist positiv, dass der Bahnhof nun durch Aufzüge barrierefrei wird.

 

Josef Baum

Sozialökologische Plattform Purkersdorf

Seit 30 Jahren AKTIV für Sie

© 2018 - 2019  Liste Baum  

Alle Rechte vorbehalten

  • w-facebook